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FAQs / Hilfreiche Links

 


Nabelschnurblut befindet sich in den Blutgefäßen der Nabelschnur, die die Verbindung zwischen Plazenta und Kind bildet. Das Blut enthält Stammzellen, ähnlich denen im Knochenmark und im peripheren Blut bei Erwachsenen. Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut können ebenso wie die adulten Stammzellen zur Transplantation verwendet werden.

 

 


Nach Geburt und Abnabelung des Kindes werden Plazenta, Nabelschnur und das darin enthaltene Blut nicht mehr benötigt und in den allermeisten Fällen verworfen und damit nicht genutzt.

 

Das Nabelschnurblut kann nun in Entbindungskliniken, die mit der DKMS Nabelschnurblutbank zusammenarbeiten und deren Personal entsprechend geschult ist, gespendet werden. Das bedeutet, dass analog zur „normalen“ Blutspende das Nabelschnurblut gewonnen und in der DKMS Nabelschnurblutbank aufgearbeitet, gelagert und anschließend öffentlich zur Transplantation zur Verfügung gestellt wird.

 

 

 


Zurzeit gibt es ca. 70 Indikationen für eine Transplantation mit Stammzellen aus Nabelschnurblut. Patienten, die an malignen (bösartigen) oder anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems leiden – dazu werden insbesondere verschiedene Leukämien und Stoffwechselerkrankungen gezählt – kann mit den Stammzellen aus der Nabelschnur geholfen werden, denn diese sind in der Lage, die Blutbildung und das Immunsystem eines Patienten zu erneuern.

 

Zu den Erkrankungen des blutbildenden Systems gehören die akuten und chronischen Leukämien, myelodysplastische und myeloproliferative Syndrome, Non-Hodgkin-Lymphome und spezielle Anämieformen. Zu den Immunerkrankungen gehören z. B. angeborene Immundefekte und das Wiskott-Aldrich-Syndrom.

 

 


1988 transplantierten französische Ärzte erstmals Nabelschnurblut bei einem an Fanconi-Anämie erkrankten Kind. Seitdem erfolgten international mehr als 25.500 unverwandte Nabelschnurbluttransplantationen. Weltweit stehen nur ungefähr 590.000 Nabelschnurbluttransplantate zur Verfügung.

 

Öffentliche Einrichtungen wie die DKMS Nabelschnurblutbank haben sich zum Ziel gesetzt, dieses lebensrettende Angebot zu erweitern und somit noch mehr Patienten helfen zu können.

 

 


Die DKMS Nabelschnurblutbank arbeitet derzeit mit 33 Kooperationskliniken zusammen, in denen die Nabelschnurblutspende angeboten wird.

 

Sollten Sie in der Nähe einer unserer Kooperationskliniken wohnen und eine dieser Kliniken Ihre ausgewählte Entbindungsklinik sein, haben Sie dort die Möglichkeit zur Nabelschnurblutspende. Wenden Sie sich in diesem Fall bitte direkt an die entsprechende Klinik.

 

Außerhalb dieser Kliniken können wir leider keine Spende ermöglichen und bitten dafür um Verständnis.

 

 


Die Herstellung von Transplantaten aus Nabelschnurblut unterliegt dem Arzneimittelgesetz (AMG) und weiteren rechtlichen Vorgaben. Demnach dürfen nur Kliniken Nabelschnurblutspenden entgegennehmen, die in das Qualitätssicherungssystem der DKMS Nabelschnurblutbank eingebunden sind, deren Personal dementsprechend geschult wurde, die Entnahmeräume für diesen Zweck besitzen und die durch die Überwachungsbehörden freigegeben worden sind.

 

Die DKMS Nabelschnurblutbank erweitert ständig den Kreis der Kooperationskliniken. Bitte entnehmen Sie das aktuelle Angebot der Liste der Kooperationskliniken.

 

 


Unter einer gerichteten Spende versteht man die Nabelschnurblutspende für ein erkranktes Geschwisterkind oder einen anderen Verwandten ersten Grades, für den bereits wegen einer Erkrankung eine Indikation zur Transplantation besteht oder entstehen kann. Auf Bescheinigung des behandelnden Arztes kann das Nabelschnurblut nun „gerichtet“ eingelagert, also „reserviert“, werden. Dies ist insofern medizinisch sinnvoll, da die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung der Gewebemerkmale bei Verwandten vergleichsweise hoch ist (bei Geschwistern 25 %). In dieser speziellen Konstellation kann die Krankenkasse des Patienten auf Antrag die Kosten übernehmen.

Auch die gerichtete Spende ist bei der DKMS Nabelschurblutbank möglich.

 

 


Zunächst signalisiert die werdende Mutter im Krankenhaus ihre Spendebereitschaft. Sie beantwortet den dort ausgehändigten Anamnesebogen und unterzeichnet eine Einverständniserklärung. Am Entbindungstag wird der werdenden Mutter zunächst etwas Blut (ca. 20 ml) für die HLA-Typisierung und die Untersuchung auf übertragbare Infektionskrankheiten abgenommen.

 

Nach der Geburt und Abnabelung des Babys wird die Nabelschnurvene zur Stammzellgewinnung punktiert. Das in der Nabelschnur bzw. in der Plazenta enthaltene Blut (mindestens 57 ml) wird entnommen und in einem speziellen Beutel gesammelt.

 

Für das Baby oder die Mutter besteht zu keinem Zeitpunkt ein Nachteil oder eine Gefahr. Der Vorgang der Gewinnung des Nabelschnurbluts dauert wenige Minuten und ist völlig schmerz- und risikofrei.

 

Alle gewonnenen Informationen, zum Beispiel die persönlichen Daten, unterliegen der Schweigepflicht und werden nur anonym im Rahmen des zentralen Datenaustausches weitergegeben. Sie werden streng vertraulich behandelt.

 

 


Wurde eine ausreichende Menge an Blut (mind. 57 ml) aus der Nabelschnur gewonnen, wird der Beutel durch einen Kurierdienst in das Labor der DKMS Nabelschnurblutbank transportiert.

 

In einem aufwändigen Verfahren werden die Stammzellen aus dem Blut angereichert und anschließend in Stickstofftanks eingefroren und gelagert. Anschließend werden Blutproben auf Infektionen untersucht (u. a. HIV und Hepatitis) und die Gewebemerkmale bestimmt.

 

Die Stammzellen stehen nun weltweit Patienten, die eine Stammzelltransplantation zur Therapie einer schweren Erkrankung benötigen, zur Verfügung.

 

Sollte die Menge des gespendeten Nabelschnurblutes für eine Transplantation nicht ausreichen, kann es dennoch sinnvoll eingesetzt werden, z. B. für die Qualitätssicherung und -verbesserung sowie zu Forschungszwecken.

 

 


Weltweit stehen jedem Patienten, bei dem eine Stammzelltransplantation notwendig ist, die eingelagerten Stammzellen zur Verfügung. Da die Menge an Stammzellen aus dem Nabelschnurblut begrenzt ist, können von einem Nabelschnurbluttransplantat vorwiegend Patienten mit einem niedrigen Körpergewicht bzw. Kinder profitieren.

 

Neue therapeutische Verfahren ermöglichen aber zunehmend auch Transplantationen von Nabelschnurblut für erwachsene Patienten. Dafür werden auch mehrere Nabelschnurbluttransplantate miteinander kombiniert verwendet (sog. „Tandem“-Transplantation).

 

Die Stammzellgewinnung aus dem Knochenmark und dem peripheren Blut von erwachsenen Spendern stellt aber weiterhin die wichtigste Quelle für Stammzelltransplantationen dar.

 

 


Im Falle eines möglichen Eigenbedarfs kann das Nabelschnurblut, natürlich auch für das eigene Kind bereitgestellt werden. Hierzu müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  

 Das Transplantat muss sich noch im Bestand befinden. Die heutige Anwendungswahrscheinlichkeit beträgt 2 – 7 %, das heisst, im Bestand verbleiben innerhalb der nächsten Jahre 93 – 98 % aller Transplantate.

 

Es muss eine medizinische Indikation für den Einsatz des Transplantates geben. Nach dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse besteht derzeit keine Verwendungsmöglichkeit für eigenes Nabelschnurblut. Auch die Entwicklung derartiger Therapieoptionen in den nächsten Jahren ist ungewiss.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 


Die Nabelschnurblutspende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank ist für den Spender kostenlos. Die Spende steht anschließend jedem Patienten zur Verfügung, der sie benötigt. Gerade für Patienten, die keinen passenden Stammzellspender finden, ist es häufig die letzte Chance auf Heilung, da die Gewebemerkmale nicht wie bei der „herkömmlichen“ Stammzellspende (aus dem Blut oder Knochenmark von Erwachsenen) zu 100 % übereinstimmen müssen.

 

Je mehr Spenden zur Verfügung stehen, desto größer wird für jeden einzelnen Patienten die Chance, seine passenden Stammzellen zu finden.

 

In einer privaten, kommerziellen Nabelschnurblutbank kann das Nabelschnurblut des eigenen Kindes für den Eigenbedarf kostenpflichtig eingefroren werden. Die Kosten betragen ca. 1.500 € bis 3.600 €, je nach Anbieter und je nachdem, wie lange das Nabelschnurblut aufbewahrt werden soll. Das Nabelschnurblut steht in diesem Fall ausschließlich dem Spenderkind zur Verfügung.

 

Die Sinnhaftigkeit dieser privaten Einlagerung steht derzeit in Frage, da bislang keine medizinische Indikation für die Anwendung entwickelt werden konnte. Für die Zukunft wird die Anwendungswahrscheinlichkeit als äußerst gering eingeschätzt.

 

 


Vorteile:

 

Die Stammzellgewinnung aus dem Nabelschnurblut ist für Mutter und Kind risikolos.

 

Die Immunzellen sind weniger geprägt. Daher besteht für den Empfänger ein niedrigeres Risiko, eine Abstoßungsreaktion (Graft-vs.-Host-Disease) zu erleiden bzw. bei Auftreten kann der Ausprägungsgrad geringer sein.

 

Da aus dem Nabelschnurblut ein fertiges Arzneimittel hergestellt wird, kann es bei Anforderung sehr schnell verfügbar gemacht werden.

 

Das Risiko einer Übertragung von Virusinfektionen (z. B. Cytomegalie) auf den Empfänger fällt wegen der geringeren Prävalenz deutlich niedriger aus.

 

Vor allem für Patienten mit Erkrankungen des blutbildenden Systems, für die kein passender erwachsener Stammzellspender gefunden werden konnte, bietet das Nabelschnurblut eine realistische Heilungschance, da die Gewebemerkmale nicht wie bei der „herkömmlichen“ Stammzellspende (aus dem Blut oder Knochenmark von Erwachsenen) zu 100 % übereinstimmen müssen.

 

Für ethnische Minderheiten können öffentliche Nabelschnurblutbanken eine alternative Quelle für Stammzelltransplantate bieten, da für diese Patienten unter der deutschen Bevölkerung oft kein passender Spender zu finden ist.

 

 

Nachteile:

 

Die Anzahl an Stammzellen im Nabelschnurblut ist im Vergleich zu Stammzellpräparaten aus dem Knochenmark oder dem peripherem Blut geringer. Dadurch verzögert sich beim Empfänger die Wiederherstellung der Blutbildung, was wiederum häufiger zu Komplikationen führen kann.

 

Die Einlagerung und die Logistik von Nabelschnurblut bedeuten für den Betreiber einer öffentlichen Bank einen hohen Aufwand.

 

Die Nabelschnurblutspende ist einmalig. Eine Zweitspende ist ausgeschlossen.

 

 

 

 


Abstoßungsreaktion – GvHD (Graft versus Host Desease)

Eine ungewollte Immunreaktion, die dadurch zustande kommt, dass Abwehrzellen im Transplantat den Körper des Patienten als fremd erkennen.

 

Allogen

Allogen bedeutet „öffentlich“ bzw. „Fremdspende“, d.h. Spender und Empfänger der Stammzellen sind verschieden.

 

Autolog

Autolog bedeutet „privat“, d. h. der Spender ist gleichzeitig der Empfänger seiner eigenen Stammzellen.

 

HLA-Typisierung (Human Leucocyte Antigen-Typisierung)

Der HLA-Komplex ist ein Genkomplex, der bestimmte Oberflächenmerkmale (Gewebemerkmale) von menschlichen Körperzellen festlegt. In der Bevölkerung gibt es – anders als bei den Blutgruppenmerkmalen – mehrere Millionen Kombinationsmöglichkeiten dieser Oberflächenmerkmale. Durch die HLA-Typisierung kann man die individuellen Oberflächenmerkmale bestimmen. Bei einer Transplantation ist es wichtig, dass die HLA-Merkmale von Spender und Empfänger möglichst vollständig übereinstimmen, um die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion zu verringern.

 

Transplantation von Stammzellen

Bei einer Stammzelltransplantation werden unreife Zellen des blutbildenden Systems von einem Spender auf einen Empfänger (Patienten) übertragen. Aus diesen Zellen können dann lebenslang alle Zellen des Blutes (rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) entstehen.

 

Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt

Die Zellen des Fremdspenders reagieren bei Wiederauftreten einer Leukämie.

 

Kryokonservierung

Zur Konservierung werden die Stammzellen in flüssigem Stickstoff bei -186°C tiefgefroren und gelagert.

 

WMDA (World Marrow Donor Association)

Um internationale Transplantationen zu erleichtern, wurde im Jahre 1988 die WMDA gegründet. Sie ist eine Organisation, die durch die enge Kooperation mit nationalen Spenderdateien und Blutbanken den internationalen Austausch von Stammzellen erleichtert.

 

 

 

 

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